Die Villen im Weidlingtal II.

Villa in Weidling Nr. 52

Einen Aufschwung der Bautätigkeit auch im Weidlingtal brachte der verheerende Einbruch der Reblaus zwischen den Jahren 1865 bis 1875. Die ruinierten Weingärten wurden von den in Notlage geratenen Weinbauern an begüterte Unternehmer, Privatiers oder Größen der Wiener Gesellschaft dieser Zeit verkauft. Diese errichteten nun auf den ehemaligen Rebflächen ihre Sommerdomizile mit teilweise parkähnlichen Gartenanlagen. Viele architektonische Versatzstücke, die Merkmale der Sommerfrischevillen sind und heute eher mit dem Voralpenraum in Verbindung gebracht werden, fanden dabei Anwendung.

Dazu zählen vor allem die sehr aufwändig gestalteten Laubsägeelemente an Giebeln und Balkonen sowie die hölzernen Veranden, die meist gleich von Anfang an eine Verglasung erfuhren.

Diese Veranden sorgen aber meist auch für eine mittelrisalitartige Akzentuierung der Fassade. Ein schönes Beispiel dafür ist das Gebäude in der Löblichgasse 5, welches 1872 von dem Architekten Wilhelm Passini errichtet und von der Hofopernsängerin Irene Abendroth bewohnt wurde. Dieses befindet sich heute noch in einem guten Originalzustand. Nicht unweit dieses Hauses hatte einer der beiden der Erbauer der Hofoper in Wien, August Siccard von Siccardsburg, sich sein Refugium entworfen und bis 1868 errichtet. Wohl konnte er es noch beziehen, verstarb aber daselbst schon am 11. Juni 1868 an Tuberkulose.

Aber nicht nur in den Nebenstraßen des Weidlingtales wurde gebaut. Waren doch diese Gebäude vor allem auf ein Sehen und Gesehen werden ausgerichtet, wie die vermeintlich kleine Villa an der Hauptstraße 52, die 1893 von den Baumeistern Ferdinand Dehm und Franz Olbricht errichtet wurde. Da die ursprüngliche Auftraggeberin die Villa nicht beziehen konnte, wurde sie von Franz Olbricht schließlich selbst bewohnt. Architektonisch orientiert sich die Fassade an dem Renaissancearchitekten Palladio und seinen Vorstellungen einer Villa am Lande. Schon diese wenigen Beispiele zeigen einerseits die architektonische, andererseits auch gesellschaftliche Vielfalt, die im Weildingtal vor über 100 Jahren zusammentraf und kaum ganzheitlich fassbar ist, jedoch heute wie damals zu sommerlichen Erkundungstouren einlädt.


24.06.2025