Ein Holunderbusch als Kunst am Bau

Gradavsky Fenster

Meist unbemerkt von Passanten überspannt ein Holunderbusch die drei Geschoße des Hauses an der Wiener Straße 88. Erst ab der Dämmerung zeigt sich dieser im Bleiglasfenster dem Straßenbenutzer in seiner vollen Schönheit, und das nur für wenige Augenblicke, wenn nämlich das Licht im Stiegenhaus für einige Minuten aufflammt. Davor, im Tageslicht, zeigt er sich nur exklusiv den Hausbewohnern, die das Stiegenhaus durchqueren.

Dass der Holunderbusch fest mit der Stadtgeschichte verwachsen ist, wird mit einem Stadtwappen, welches in einer der Verästelungen angebracht ist, angezeigt.

Das Fenster wurde von der Klosterneuburger Künstlerin Liselotte Gardavsky (*1934 in Wien ‒ †2013 in Klosterneuburg) geschaffen, die in den Jahren zwischen 1953 und 1968 ihren Arbeitsschwerpunkt im Themenfeld Kunst am Bau hatte. Gardavsky studierte an der Angewandten in Wien bei Carl Unger sowie Eduard Josef Wimmer-Wisgrill und verlegte einige Zeit nach dem Studium ihren Lebensmittelpunkt nach Klosterneuburg. Im Zentrum ihrer Arbeiten stand oftmals der Mensch in seinem Umfeld, aber auch der Alltag stellte eine Inspirationsquelle für sie dar, wie sie selbst in einem Gespräch einmal sagte.

Neben dem Fenster an der Wiener Straße, ist ein weiters, prominent gesetztes Werk von ihr die Fassadengestaltung des Kindergartens in der Stolpeckgasse, aber auch in Wien konnte sie Auftragsarbeiten im Themenfeld Kunst am Bau verwirklichen, wie in der Krongasse 5, wo ein Glasmosaik die mehrgeschossige Fassade bandartig verklammert.

Mit ihren Werken im öffentlichen Raum gelang ihr eine Durchbrechung des Alltags mit ästhetischen  Mitteln und so eine gewollte, positive Irritation der Blicke der Passanten, ganz in der Idee von Kunst am Bau, wobei sich in unserem Beispiel des Glasfensters, dieses spontane Erleben von Kunst noch einmal verdichtet, da das Glasfenster im öffentlichen Raum nur durch die Beleuchtung im Stiegenhaus sichtbar wird und diese zufällig erfolgt.  


26.01.2026

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