Bürgermeister Augustin Konradt

Augustin Konradt

Augustin Konradt erblickte am 10. Oktober 1809 in Klosterneuburg in der Unteren Stadt, genauer in der Wasserzeile, als Sohn des Joseph und der Theresia Konradt das Licht der Welt. Sein Vater war Kapiteldiener im Stift Klosterneuburg und später Weinhauer und Wirtschaftsbesitzer. Augustin selbst wurde wie sein Vater Weinhauer und Wirtschaftsbesitzer, darüber hinaus noch Holzhändler.

Als am 8. Juli 1850 die erste Wahl des freigewählten Gemeindeausschusses (= beschließendes und überwachendes Organ der Stadt) in Klosterneuburg vollzogen wurde, erhielt Augustin Konradt bereits einen Sitz in dem aus drei Wahlkörpern bestehenden Gremium. Zu diesem Zeitpunkt hatte er mit seiner ersten Gattin Elisabeth vier Kinder zu versorgen. Im selben Jahr verstarb seine Frau jedoch an Typhus. Im März 1851 heiratete Augustin seine zweite Ehefrau Katharina mit der er weitere Kinder bekam.

1. Amtszeit 1857-1862:
Im Jahr 1857 wurde Augustin Konradt zum ersten Mal zum Bürgermeister von Klosterneuburg gewählt. Die folgende Amtszeit war geprägt von zunehmendem Bevölkerungswachstum, das ab 1848 einsetzte und bis zum Ersten Weltkrieg andauerte. Während Klosterneuburg 1857 noch 4.767 Einwohner zählte, waren es am Ende von Augustin Konradts zweiter Amtszeit im Jahr 1869 bereits 5.330.  Mit der steigenden Bevölkerungszahl veränderten sich auch die zu bewältigenden Problemstellungen für den Gemeindeausschuss und den Bürgermeister.  Themen wie die Stadterweiterung, der Bau neuer Straßen, Ausbau der Infrastruktur sowie das Schul- und Krankenversorgungswesen wurden immer wichtiger.
In Konradts erster Amtszeit wurden die für den Ausbau des Krankenhauses im 20. Jahrhundert wichtigen Ackermannschen Gründe (heute Kreutzergasse 12 und Hundskehle 11) von der Stadtgemeinde erworben. In den 1860er Jahren wurden die Stadttore und die Stadtmauer weitestgehend geschleift.
1858 erlebte er die Gründung der damals als „Männer-Gesangverein zu Klosterneuburg“ bekannten Sangesrunde (heute Stadtchor) sowie die Eröffnung der Wein- und Obstbauschule im Jahr 1860.

2. Amtszeit 1867-1870:
Augustin Konradt stand am 9. Juli 1867 als Bürgermeister zum ersten Mal in seiner zweiten Amtszeit dem Gemeindeausschuss vor. Gleich zu Beginn dieser Amtsperiode wurde im Gemeindeausschuss auf Anregung der Herren Metz und Popp die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr beschlossen. In den folgenden Jahren förderte die Stadtgemeinde die Feuerwehr zum Beispiel durch Spenden in Form von Ausrüstung und Material.
Ein Thema, das Konradt längere Zeit im Amt begleitete, war die Erweiterung des Krankenhauses. Die am 5. November 1856 als ein öffentliches Spital ausgerufene Institution, befand sich in der Martinstraße und bezog 1869 zusätzlich ein Gebäude in der damaligen Albrechtstraße 2 (heutige Hofkirchnergasse 2), wo es sich noch heute befindet.
Die Schaffung einer Kanalisation gehörte damals ebenfalls zu den Anliegen der Stadt. Bürgermeister Augustin Konradt forderte in der Gemeinderatssitzung vom 5. Oktober 1869: Es ist daher dringend geboten, alle Mittel zu ergreifen, um einen Durchstich durch die Kritzendorfer Au zu bewerkstelligen. Durch die Einleitung von Wasser aus der Donau sollte die Gefahr einer Pestepidemie in der Stadt verhindert werden. Die Errichtung eines Kanals fand nicht mehr in Konradts Amtszeit statt und nur knapp erlebte er die Fertigstellung des Projektes im Mai 1890, bevor er selbst am 12. Juni 1893 im 83. Lebensjahr verstarb. Vierzig Jahre nach seinem Ableben ehrte die Stadt ihren ehemaligen Bürgermeister mit der Benennung der Konradtgasse.

Neben den erwähnten Großthemen gehörten auch die Renovierung der Vorhalle des Rathauses sowie der Dreifaltigkeitssäule am Stadtplatz zu seinen Agenden. Ebenfalls in Konradts zweite Amtszeit fiel die Einführung der Hundesteuer im Jahr 1869.

Ein weiteres für Klosterneuburg wichtiges Ereignis war der Bau der Franz-Josefs-Bahn. Bereits 1867 wurde mit der Herstellung begonnen, die am 23. Juni 1870 in der Eröffnung der Strecke Wien-Eggenburg und dem für Klosterneuburg relevanten Bahnhof Klosterneuburg (später Klosterneuburg-Weildling) gipfelte.

Holzlagerplatz von Augustin Konradt


08.09.2025