Das Stadtmuseum widmet sich in seiner kommenden Sonderschau der Klosterneuburger Sagenwelt, der die Stadt auch das eine oder andere Denkmal verdankt. An dieser Stelle soll jedoch eine Bildsäule vor den Vorhang geholt werden, die nicht nur seit stattlichen 350 Jahren besteht, sondern deren Aufstellung auf einen ganz profanen Grund zurückgeht.
Im 17. Jahrhundert wütete (nicht nur) in den Klosterneuburger Weingärten der so genannte „Khefer“. Wer hier an Heuschrecken denkt, ist allerdings fehlgeleitet, denn der bewusste Schädling hört eigentlich auf den – fast heiter anmutenden – Namen „Stanizler“ (heute verbreiteter „Zigarrenwickler“). Tatsächlich berichten die Kalendereintragungen des Stiftes von großen Käferschäden in den Jahren 1673-1675. Die in ihrer Existenz stark bedrohten Winzer entschlossen sich daraufhin, eine Bittsäule errichten zu lassen, um den Beistand der Gottesmutter wie auch einiger ausgewählter Heiliger zu erflehen. Außerdem gelobten sie – in Anlehnung an vergleichbare Veranstaltungen im Wiener Umland – eine jährliche Prozession von der Pfarrkirche St. Martin zu dem Denkmal am Ölberg abzuhalten, wohl um der Dringlichkeit ihres Anliegens mehr Gewicht zu verleihen.
Nachdem die Bewilligung des Stiftes eingeholt worden war, konnte die Bittsäule mit Genehmigung des damaligen Propstes Bernhard Schmeding von Hofsteinmetzmeister Urban Ilmer bereits im Juni desselben Jahres fertig gestellt und an ihren heutigen Standort am Ölberg transportiert werden. Die Einweihung fand im Rahmen einer ersten prunkvollen Prozession am 2. Juli statt.
Der mit einer Höhe von 6,5 Metern durchaus imposante Pfeiler aus Kalkstein ist mit einer Darstellung der Maria Immaculata gekrönt, unter der sich ein Tabernakel mit Reliefs der Heiligen Josef, Leopold, Sebastian (Pestheiliger) und Martin (Pfarrpatron) befindet. Die Gestaltung markiert den Übergang von der Spätrenaissance zum Frühbarock. Der Sockel ist verhältnismäßig schmucklos und zeigt an allen vier Seiten ausgiebige Inschriften, von denen eine auf Latein Bezug auf die Stifter nimmt, während auf einer anderen das Gelöbnis der Weinbauern in Stein verewigt wurde. Die übrigen widmeten sich vor allem den Bedrohungen, vor denen man sich „für dis Landt und gesambte Christen Schar“ Schutz erhoffte. Namentlich wurden hier erwähnt: Schauer, Khefer, Pestilenz, Gefrier (Frost) und – ganz allgemein – Feindes Gefahr.
Dass das Käferkreuz besonders verehrt wurde, zeigt die erste Jubiläums-Wallfahrt anlässlich seines 100-jährigen Bestehens am 2. Juli 1775, von der sogar ein Gemälde angefertigt wurde. So sieht man deutlich, dass nicht nur eine vielköpfige, festlich gekleidete Bürgerschar, sondern auch das Militär sowie eine stattliche Anzahl von Wallfahrern mit Kirchenfahnen teilnahmen.
Diese Tradition lebte in Klosterneuburg bis in die jüngste Vergangenheit z.B. durch die alljährlichen Erntedankprozessionen der Pfarre St. Martin weiter.

